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Montag, 23. März 2009

The Pipes anno 1966

Eingestellt von Chap



The Pipes (verfasst von Gert Pfundt)

Die ersten Töne der neuen Beatmusik hatte ich aus der Musikbox einer Gaststätte in Oppenweiler gehört: „Twist and Shout“ von den Beatles. Das war 1964, ich hatte grade 3 Jahre erfolglosen Akkordeon – Unterricht zum Ende gebracht, und diese Musik hat mich umgehauen. In diesen Jahren gab es in Backnang eine Live – Band, The Blizzards, die spielten Shadows – Covers, und zwar schon ziemlich laut, mit Schlagzeug, Bass, Gitarren und richtigen Verstärkern. Ich saß bei einem ihrer Auftritte auf der Holzbühne mit dem Rücken zur Bassdrum, der Schalldruck war stimulierend. Da musste man erst mal hinkommen.


So gab ich mein Bestes am Schifferklavier, zusammen mit Jürgen Schäfer und meinem Freund Klaus Gaisser. Der hatte schon eine Wandergitarre, wir waren auf dem Weg… Nach einigen Schulkonzerten und Schützenvereinsfeiern stieß ein begnadeter junger Clapton - Fan an der Gitarre zu uns: Günter Eckert aus Kirchberg spielte damals alle Soli nur mit 2, maximal 3 Fingern, das klang gut. Ich durfte meine Quetsche weglegen und dafür den Sänger der neuen Band geben, später auch an einem rudimentären Schlagzeug mit Snare, Hi Hat und 1 Becken Platz nehmen. Der Bandname war bald gefunden, The Pipes aus Backnang hatten 1966 Geburtsstunde.


Einen ersten Achtungserfolg erziehlten wir auf dem Beat – Nachmittag für Mittelstufe (sonst bekannt für Stehblues-Gelegenheiten bei herabgelassenen Rollos) am Gymnasium: Bei einem Musikwettbewerb (jede Klasse durfte 1 Bewerber melden) fuhren wir den ersten und zweiten Platz ein (wir waren aus 2 verschiedenen Klassen). Wir spielten damals mit geliehenen Verstärkern von den Unknown Four, und für einen „Gig“ im Musikunterricht wurden alte Röhrenradios aus den elterlichen Wohnzimmern als Verstärker abgezogen. Unsere ersten Stücke die wir spielten waren „House of The Rising Sun“ (Animals) und „Poor Boy“ (Lords).

Wir hatten auch einen Gastgitarristen, „Tex“ aus USA (Texas), der uns mit „Classical Gas“ Horizonte öffnete. Er starb Jahre später an den Folgen seines Drogenkonsums. Danach bekamen wir weiteren Zuwachs mit Norbert „Schnuppe“ Rettenmaier, still going crazy after all these years, der uns gesanglich verstärkte und zusammen mit Jürgen Schäfer und mir wechselweise die (immer noch geliehene) Bassdrum trat. Ich durfte gelegentlich erste Töne aus einem kleinen Höfner – Bass herauszerren (und war sofort für meinen „schweren“ Anschlag bekannt). Um noch Gitarre zu lernen kam ich mir damals mit 14 Jahren zu alt vor…

Wir hatten auf der Höhe unserer jungen Bandkarriere 1967 einen Gig vor 800 Mannen (und Mädels) in der sagenumwobenen Kleintierzüchter – Vereinshalle. Unsere Vorband, die Cowshed Impressions trafen an diesem Abend nicht so ganz den Publikumsgeschmack (sie waren die erste Psychedelic – Experimentalband Backnangs), und wir mussten /durften unser Programm 2x hintereinander spielen.

Um 22:00 kam die Polizei und suchte nach Minderjährigen – keiner aus der Band war 16, keiner hatte seine Eltern dabei, und so wurden wir kurzerhand für eine halbe Stunde in der Umkleidekabine weggeschlossen. Als Gage gabs pro Musiker 10,- DM und eine Bratwurscht, dafür wurde ein Impressario und Werbefachmann (PeWaF!) auf unsere Künste aufmerksam und wollte uns groß rausbringen, der Anfang war also gemacht.

Wie dies bei aufstrebenden Künstlern aber gelegentlich vorkommt, bröckelten mit der Androhung weiterer Erfolge die Grundfesten unseres Stammpersonals: Jürgen Schäfer wollte sich eher an der neuen Hammond – Orgel in sein Zimmer zurückziehen. Schnuppe war nicht mehr so recht zu begeistern, und Günter Eckert hatte Versetzungsstress. Wenig später war er bei High Tension wieder im Geschäft. The Pipes bestanden plötzlich nur noch aus Klauss Gaisser und Gert Pfundt, das konnte nicht so bleiben.

Ein Klassenkamerad wurde aus seiner Band abgeworben, Stefan Blaich schrammelte fortan die Rhythmusgitarre, und ich hatte die Ehre, einen mit glatten 16 Jahren schon sehr reifen Künstler in sein neues Instrument einzuweisen: Der neue Schlagzeuger hieß Gerd Kobald, der jüngere Vetter von Chap (siehe High Tension). Er brachte neben Talent und Energie sagenhafte 600,-DM für den Erwerb eines eigenen Sonor – Schlagzeuges mit. Wir waren wieder komplett, und der alte Name, The Pipes wurde uns dummerweise zu eng. – Tiger Rubin waren geboren!

Fortsetzung siehe dort.

gertpfundt@aol.com

4 Kommentare:

Florian Janner hat gesagt…

:-D Danke für den Beitrag! Sehr sehr genial...
Das auf dem zweiten Bild ist doch in der Marktstraße, oder?
Und Norbert Rettenmaier, ist das nicht der, der mal eine kleine Musikalienhandlung in der Stuttgarter Straße hatte?

herbert hat gesagt…

"Als Gage gabs pro Musiker 10 DM"

Das ist zu wenig, glaube ich. Habe keine Ahnung, wie die Musiker in diesen Jahren gelebt haben!

Anonym hat gesagt…

>> "Als Gage gabs pro Musiker 10 DM"
> Das ist zu wenig, glaube ich.

hm. insgesamt wohl schon. allerdings ist 1966 (da haben die meisten von uns wohl noch gar nicht gelebt) ja nicht 1980 und auch nicht 2009. kann mich noch gut erinnern wie man ca. 1990 noch z.b. eine schokoladentafel fuer 25 pfennig bekam. heute kostet die billigste ca. 35 euro cent ~~ 70 pfennig ;-)

Chap hat gesagt…

Hi Flo,

Das Bild ist tatsächlich in der Marktstraße in BK vor der Weinstube Kunberger (danach Mitsos, jetzt Aura). Ja, ja "Schnuppe" hatte tatsächlich einen Musikalienshop in der Stuttgarter Straße

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